Es gibt wahrscheinlich in ganz Österreich nur eine Handvoll Menschen, die wirklich wissen, wie es dazu kommen konnte, dass der Wasserbeleber Johann Grander 2001 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich verliehen bekam. Manche mögen es vielleicht als eine „hohe Kunst“ betrachten, unwirksame Voodoo-Technologie an mündige Bürger verscherbeln zu können, doch das Ehrenkreuz wurde laut Wissenschaftsministerium für anerkennenswerte Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft verliehen, nicht der Kunst.
Anerkennenswerte Leistungen?? Wissenschaft??? Faktum ist, das Herr Johann Grander überhaupt keine Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft erbracht hat, geschweige denn anerkennenswerte. Die Bauanleitung für sein Wasser stammt, wie Grander vor Gericht kundtat, „von oben“, und damit war nicht der Untermieter im Dachgeschoß gemeint. Seit die Grander-Vertriebsfirma mit ihrer Klage gegen Erich Eder mächtig eingefahren ist, gibt es ein Gerichtsurteil, demzufolge Grander-Technologie als aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug bezeichnet werden darf. Auch existieren zu diesem Thema inzwischen etliche wissenschaftliche Studien, in denen keine einzige der von der Grander-Firma behaupteten angeblichen Wirkungen des Wunderwassers jemals nachgewiesen werden konnte.
Schön, dann haben eben ein paar PR-Menschen vor sieben Jahren irgendwelche blauäugigen Beamten so schwurbelig geredet, dass die einen unseriösen halbkommerziellen Verein namens „Russische Akademie der Naturwissenschaften“, von dem Grander eine Medaille bekommen hatte, mit der altehrwürdigen „Russischen Akademie der Wissenschaften“ verwechselt haben. Das war ihnen dann Anlass genug, Grander das Ehrenkreuz der Republik zu verleihen und diese Republik Österreich damit in wissenschaftlichen Kreisen zum Gespött zu machen.
Ein bedauernswerter Fehler, leider nicht mehr zu ändern? Eben nicht. Genau für solche peinlichen Fehlverleihungen hat nämlich das Ehrenzeichengesetz mit dem § 8a vorgesorgt. Das Ehrenkreuz IST ABZUERKENNEN, sagt dieser, wenn später Tatsachen bekannt werden, die einer Verleihung entgegengestanden wären. Nun, diese Tatsachen sind inzwischen hinreichend bekannt, also worauf wartet das Wissenschaftsministerium noch?
Möglicherweise werden wir das bald erfahren, denn diese Frage wurde am 6. Juni von Vertretern von vier Parteien als parlamentarische Anfrage an Minister Hahn gerichtet. Darüber informierten wir, also die Gesellschaft für kritisches Denken, heute Mittag in einer Presseaussendung. Und jetzt warten wir gespannt auf die ministerielle Antwort.

24 comments
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Freitag, 13 Juni, 2008 um 16:01
Ulrich Berger
ORF.at berichtet bereits:
http://tirol.orf.at/stories/285387/
Freitag, 13 Juni, 2008 um 19:30
Skeptikos
Sehr gute Aktion, viel Erfolg und wer Lesefutter benötigt:
http://www.gwup.org/themen/texte/wasserbehandlung/index.html
Die österreichische Verbraucherschutz-Zeitschrift Konsument hat sich intensiv mit der Thematik Mauertrockenlegung und Mauerentfeuchtung beschäftigt und einige kritische Artikel dazu veröffentlicht: Konsument (2000), Nr. 4, S.33; Konsument (2000), Nr. 5, S. 14-16 (3); Konsument (2003), Nr. 3, S.18.
Heckel,Marko;Heinig, Peter (2003): Oberflächenspannungsänderung durch Grander-Belebung nicht bestätigt. In: Skeptiker 3/2003, S.98 – 100.
Samstag, 14 Juni, 2008 um 10:27
Ulrich Berger
Der STANDARD berichtet in seiner Wochenendausgabe vom 14./15. Juni ebenfalls kurz, die Meldung ist aber leider nicht online.
Sonntag, 15 Juni, 2008 um 17:10
Anonym
ausführliche Meldung mit Bild von Grander ist am Samstag in den Salzburger Nachrichten gewesen. Diese Seite http://tirol.orf.at/stories/285387/ kann ich leider nicht öffnen, man wird auf die Hauptseite umgeleitet. Paranoia oder kann es sein, dass die Meldung schon weginterveniert wurde?
Sonntag, 15 Juni, 2008 um 18:03
Ulrich Berger
Die Meldung in den Salzburger Nachrichten…
http://www.salzburg.com/nwas/archiv_artikel.php?xm=3457585&res=0
und die ORF-Meldung aus dem Google-Cache…
http://74.125.39.104/search?q=cache:JspAS5uGbesJ:tirol.orf.at/stories/285387/
Dienstag, 17 Juni, 2008 um 7:47
Wolfgang
Der Grander vitalisierte Wienerberger- Ziegel wird immer noch verkauft
http://www.wohnnet.at/holz-ziegel-massiv.htm
hoffentlich wurden die Bäume beim richtigen Mondstand gefällt- alles Bio natürlich von oben.
Dienstag, 17 Juni, 2008 um 12:23
Ulrich Berger
Zuerst einmal möchte ich hier meiner Freude darüber Ausdruck geben, dass Österreich Deutschland in einem kürzlich ausgetragenen und vielbeachteten Fußballmatch 10:5 besiegt hat!
Und zum Thema: Die Grander-Firma reagiert mit einem hilflosen Pamphlet (auch per Presseaussendung) und ORF.at berichtet (und verlinkt auf seine eigene verschwundene Story).
Mittwoch, 18 Juni, 2008 um 14:12
Ulrich Berger
Grander entgegnet, seine Entdeckung würde vielfach genutzt. Seine Entdeckung, wie man Voodoo-Technik verhökert, die haben sich allerdings schon einige abgeschaut, da hat er Recht…
VOL.at = Vorarlberger Nachrichten berichten auch. Die Salzburger Nachrichten haben einen Vierzeiler über die Grander-Entgegnung und die Tiroler Tageszeitung berichtet heute ebenfalls (aber nicht online).
Mittwoch, 18 Juni, 2008 um 15:21
Wolfgang
einige Infos zur Gerichtsentscheidung in New Zealand
http://www.comcom.govt.nz/FairTrading/livingwaterquackeryresultsin136000.aspx
Donnerstag, 19 Juni, 2008 um 8:34
Stefan
Bonmot zum Thema: „Das Volk gläubet jetzt so leichthin, wie eine Sau ins Wasser brunzet …“ (Thomas Müntzer, Theologe und Revolutionär, 1489-1525)
Donnerstag, 19 Juni, 2008 um 14:47
Stefan
Vielleicht (?) aufgrund meiner Mail-Anfrage in die ORF.at-Redaktion, ob man denn Selbstzensur betreibe und den ersten kritischen Bericht zur Aberkennung aus Grander-Gehorsam gelöscht habe, steht er nun wieder korrekt verlinkt online:
http://oesterreich.orf.at/tirol/stories/285387/
Samstag, 21 Juni, 2008 um 22:23
don ramon
sehr erfreulich, dass auch die kritischen stimmen sich melden, und nicht nur die trotz aller fortschritte der wissenschaft zunehmende masse der abergläubigen.
Donnerstag, 26 Juni, 2008 um 12:01
Dr. Erich Eder
Der online-ORF-Beitrag ist übrigens fehlerhaft: Die Liste Fritz Dinkhauser gibt es im österreichischen Parlament nämlich gar nicht. LIF ist die Abkürzung für Liberales Forum (Abg. Zach).
Hinweis: Dienstag, 1. Juli, 21:05 ORF 2 – „REPORT“ zu diesem Thema !
Donnerstag, 26 Juni, 2008 um 12:21
Ulrich Berger
Der sciblog hat ebenfalls einen kurzen Bericht.
http://www.sciblog.at/stories/28179/
Dass der REPORT einsteigt, ist schön. Bin gespannt…
Samstag, 28 Juni, 2008 um 17:34
mr
hehehehe…DIESE seite von ihnen kannte ich ja noch gar nicht. hab mich jetzt wirklich 1 Stunde lang höchst amüsiert.
Montag, 30 Juni, 2008 um 13:27
Ulrich Berger
Bericht auf der GWUP-Webseite unter „Aktuelles“:
http://www.gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=465
Sonntag, 6 Juli, 2008 um 12:36
Grander-Wasser: Ehrenkreuz für esoterischen Unfug? at gwup | die skeptiker
[...] Granderwasser-Humbug beschäftigt jetzt das Parlament Kritisch Gedacht, 13.06.2008 [...]
Freitag, 11 Juli, 2008 um 21:00
buchstaeblich
„Die Bauanleitung für sein Wasser stammt, wie Grander vor Gericht kundtat, “von oben”, und damit war nicht der Untermieter im Dachgeschoß gemeint.“
Nicht? Na, wie man es nimmt, oder?
Sonntag, 2 November, 2008 um 11:58
Werner
Ich bin eigentlich ein sehr skeptischer, kritischer Zeitgenosse, behaupte ich von mir mal.
Aber die Sendung auf 3sat, „wasser ein tropfen-oder so“hat mich fast überzeugt die Geschichte mit Grander zu glauben, vorallem die Industriebetriebe hätten weniger Probleme, die Bäcker bräuchten weniger Hefe…
Sind das alles Spinner?
Montag, 3 November, 2008 um 15:11
Ulrich
@ Werner:
Die sind keine Spinner sondern Pragmatiker, die Opfer eines verbreiteten Denkfehlers namens post-hoc-ergo-proter-hoc („danach, also deswegen“) geworden sind. Das funktioniert in etwa so:
Füllen Sie Ihren Geschirrspüler mit schmutzigem Geschirr. Nehmen Sie ein Geschirrspül-Tab zur Hand. Klopfen Sie dreimal auf und murmeln dazu „Abrakadabra“. Das Tab ist jetzt energetisiert und reinigt viel effektiver. Probieren Sie es aus: Legen Sie nur das halbe Tab in den Geschirrspüler. Sie werden sehen, das Geschirr wird genauso sauber!
Weil das so gut geklappt hat, machen Sie das jetzt regelmäßig so. Wenn dann die freundlichen Herren kommen, die den Energetisier-Zauberspruch patentiert haben, und Ihnen eine Kamera und ein Mikro vorsetzen, dann werden wahrheitsgemäß Sie sagen: „Seit ich den Energetisierspruch benutze, brauche ich nur mehr halb soviel Spülmittel.“
Tatsächlich hätten Sie natürlich ohne den Spruch auch nur halb so viel gebraucht, aber das konnten Sie nicht wissen. Und außerdem: Wer spült, hat Recht!
Donnerstag, 6 November, 2008 um 9:31
Werner
Hallo Ulrich,
ich finde es wirklich eine Frechheit dass ein Sender wie sat3, finanziert aus unseren Gebühren, so was sendet.
Und wie ich jetzt im Nachhinein erfahren habe, war Bernd Kröplin? von der Uni Stuttgart im Vorstand von Cargolifter, wo mir bei Cargolifter relativ bald klar war dass es sich nur um ein Fake handeln kann.
Es reicht nicht dass bei Cargolifter Millionen Steuergelder in den Sand gesetzt wurden.
Nein solchen Leuten wird dann nochmals eine Plattform auf 3sat gegeben.
Eine echte Schande, mehr noch ein Skandal.
Ich denke nun nicht einmal, dass diese Leute wirklich an ihre Geschichten/Forschungen glauben.
Nun vermute ich noch mehr, dass es sich dabei um miese Abzocker handelt.
Aber dass mit dem Geschirrspül-Tap werde ich trotzdem mal probieren…
)
ohne Klopfen und Sprüche, versteht sich..
Donnerstag, 6 November, 2008 um 13:39
Ulrich
@ Werner:
Zu dieser Sendung auf 3sat gibt’s auch ein paar Hintergrundinfos von uns, siehe Punkt 0:4 auf
http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2008/10/bildungsauftrag.php
falls Sie das nicht eh schon gelesen haben.
Sonntag, 9 August, 2009 um 20:38
Galler Helmuth
Beim heutigen “ Journalismus“ bin ich schon sehr vorsichtig geworden.
So daß ich mich bevor ich etwas lese – sehe oder gar meine Zeit vergeude oder mich der Gefahr aussetze noch mehr manipuliert zu werden
mich zuerst einmal informiere.
Wer schreibt oder berichtet was.
über was schreibt oder berichtet man was.
welche Zielgruppe soll damit ereicht werden
und was heut zu Tage leider auch in diesen Bereich das Wichtigste ist
wer bezahlt den Schreiberling oder Journalist.
Daher finde ich Beiträge wie zuvor über Verflechtungen so mancher Berichterstatter oder oft selbsternannter „Fachjournalisten“ als guten Ansatz um nicht nur die Herkunft sondern auch die Gründe für so manches Ätznatron besser fokusieren zu können.
Denn wo bleibt denn heute noch der so oft und viel zitierte freie Journalismus in der Praxis wirklich ?
Wo doch auch in diesen Bereich überwiegend nur mehr das Prinzip wessen Brot ich esse dessen Sprachen ich spreche vorherrscht?
Ich werde mir jedenfalls meine eigene Meinung über das Grander Wasser und ohne einen schrägen Blick oder ob mit oder ohne Auszeichnung machen aber auch recherchieren lassen von was lebt der Verfasser dieser Zeilen.
Daher vielen Dank Herr „Journalist“ für den Hinweis welche mich noch mehr neugierig über das Grander wasser gemacht hat.
Abgesehen davon daß es ohne Experimente nie einen Fortschritt gegeben hätte.
Und Großes selten egal ob positiv oder negativ von Massen entdeckt oder bewegt worden ist.
HRG – München
Sonntag, 9 August, 2009 um 21:11
Ulrich Berger
Sie können sich das „recherchieren lassen von was lebt der Verfasser dieser Zeilen“ sparen, ich helfe Ihnen gerne: Der Verfasser dieser Zeilen lebt davon, dass er an der Wirtschaftsuni Wien forscht und lehrt. Als Beamter wird er vom österreichischen Steuerzahler bezahlt. Hmmm… was schließen Sie nun daraus?