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Sagen Ihnen die Namen Johannes Huber und Sepp Leodolter noch etwas? Jawohl, das sind jene beiden honorigen Ärzte, die durch den Skandal rund um die angebliche Krebswundertherapie per Stammzellen der Firma Cell Med eines Großteils ihrer Reputation verlustig gegangen sind. Während diese Geschichte hierzulande abgehakt ist, nimmt eine Variante davon in Deutschland gerade ihren Lauf.

Wie das Deutschlandradio unter dem Titel Das Geschäft mit der Hoffnung berichtet, hat in Köln kürzlich das Xcell-Center aufgesperrt, hinter dem eine niederländische Firma namens Cells4Health steht. Das Geschäftsmodell dürfte dasselbe sein wie in der Alternativmedizin: Kranken und verzweifelten Menschen mit leeren Versprechungen eine Menge Geld abknöpfen.

Und vor wenigen Tagen lag dem Standard hierzulande eine blutrote Jubelbroschüre bei, die unter dem Titel James Rapholz’s ECONOMIC ADVICE von einem angeblichen Durchbruch in der Stammzelltherapie schwärmt, der der Firma CellCyte Genetics gelungen sei. Den Rest des Beitrags lesen »

Und wenn wir schon beim Rutengehen sind: Die ASFINAG tut es auch, oder besser: Sie lässt es tun. Diese Geschichte ist etwas zu lang für einen Blog, deswegen finden Sie sie auch nicht hier sondern im Standard. Eine Langfassung mit einigen weiteren obskuren Beispielen gibt’s dann im nächsten Skeptiker.

UPDATE: … nämlich hier.

Von einem kuriosen Modellversuch berichtet heute die Mittelbayerische Zeitung: Ein Rutengängerkurs für Blinde. Auch blinde Menschen sollen dort lernen können, wie man Erdstrahlen aufspürt, die auf Wasseradern hindeuten. Warum das kurios ist, kann man erst nach einer kurzen Rekapitulation der Fakten wirklich würdigen. Die da wären:

1. Wasseradern gibt es nicht, außer in manchen Karstgebieten. Grundwasser fließt flächig. Das Gerede von unterirdischen Kanälen, in denen das Wasser dahinströmt wie Blut in einer Ader, ist ein Gerücht, das sich auch unter gebildeten Menschen hartnäckig hält.

2. Die Existenz von Erdstrahlen ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Deutlicher ausgedrückt, in den Worten des Geophysikers Prof. Erhard Wielandt von der Uni Stuttgart: Die Störzonen, in denen Erdstrahlen entstehen, befinden sich nicht in der Erde, sondern im Kopf. Zwar gibt es eine Menge Strahlen, die aus der Erde kommen, etwa in Form von Wärme oder natürlicher Bodenradioaktivität, aber diese meinen die Rutengänger ja nicht. Deren Erdstrahlen sind technisch nicht messbar, sie sind “feinstofflich”. (Was auf gut deutsch soviel heißt wie: Sie sind Quatsch.) Den Rest des Beitrags lesen »

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George W. Bush ist in vielerlei Hinsicht zu kritisieren, auch abseits seiner geopolitischen Ziele. Man erinnert sich z.B. an sein Veto gegen die vom Kongress abgesegnete Finanzierung der Stammzellforschung. Sein neuestes Veto gilt einem Gesetzesentwurf, der das Budget der National Institutes of Health (NIH) um 1 Milliarde von 29 auf 30 Mrd $ für das Jahr 2009 erhöhen sollte. Das NIH ist die wichtigste US-amerikanische Behörde für biomedizinische Forschung und finanziert mittels Research Grants auch Grundlagenforschung in Europa.

Die wirkliche Tragik in dieser Entscheidung liegt aber darin, dass dieser Gesetzesentwurf alle NIH finanzierten Forscher dazu verpflichtet hätte, die Resultate ihrer Forschung auf der zum NIH gehörigen Website ‘PubMed zu’ veröffentlichen, und zwar innerhalb eines Jahres nach deren Erstveröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal. Das Abonieren von wissenschaftlichen Journalen ist sehr teuer für Unis und Forschungsinstitute, und durch eine öffentlich zugängliche Volltext Datenbank aller NIH subventionierter Forschung hätten weltweit alle Forscher Zugang zu diesen Daten, und könnten darauf aufbauen.

Um die Zahlen ein wenig ins Verhältnis zu rücken: Ein Einsatztag im Irak verschlingt 195 Millionen $

Auf der heutigen Titelseite der Gratiszeitung Heute prangt fett die Schlagzeile

Neuropsychologe erwähnt in Vortrag zwei Jahre alte Studie, die negative Auswirkungen von TV-Konsum auf Lernerfolg nahelegt.

Nein, Verzeihung, tut sie natürlich nicht. Das ist nur die Schlagzeile, die dort hätte prangen müssen, wenn Heute mit der Wahrheit einen etwas weniger schlampigen Umgang pflegen würde. Tatsächlich lautet die Schlagzeile nämlich

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Dass man beim Wort “Studie” in einer Heute-Schlagzeile aufpassen muss, wissen treue Stammleser dieses Blogs seit mindestens zwei Monaten. Im Blattinneren geht es ins Detail: Fernsehen macht Teenager dumm! Und im Untertitel heißt es:

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Wenn David Lynch, Filmemacher mit Neigung zum Surrealen, in Wien zu Gast ist, dann hängen die Fans und die Medien an seinen Lippen. Deshalb macht er hier wie auf allen anderen Stationen seiner Europareise ungeniert Werbung für einen der peinlichsten Psychokulte, die Transzendentale Meditation (TM) der Maharishi-Jünger. Nun ist ja gegen Meditation an sich nichts einzuwenden, aber die TM ist eine ganz eigene Spielart. Ihre Anhänger, die hierzulande immer wieder mal als rührige Österreichische Naturgesetze Partei (ÖNP) bei Wahlen antreten, behaupten etwa, durch das gemeinsame Meditieren einer genügend großen Zahl von Menschen (für Österreich ca. 300) würden diese so eine Art “positive Bewusstseinswelle” erzeugen, die über das Land schwappt und dort für höheres Wirtschaftswachstum, geringere Kriminalitätsraten und besseres Fernsehprogramm sorgt.

Wer stundenlanges Meditieren zu langweilig findet, der kann bei den TMern auch das “Yogische Fliegen”, also die Levitation durch Geisteskraft lernen. Als Beweis für letzteres dienen lustige Videos, auf denen man erwachsene Menschen im Yogasitz durch die Gegend hüpfen sehen kann.

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Allerdings ist die Gefahr auch eher gering. Die Kleinstadt Dover in Pennsylvania, USA , wurde durch jenen Prozess berühmt, in dem Richter John E. Jones III dem lokalen School Board, das Kreationismus in Form von “Intelligent Design” durch die Hintertüre in den Biologieunterricht schmuggeln wollte, wörtlich breathtaking inanity (atemberaubende Dummheit) beschied.  In Bern (so etwas ähnliches wie die Hauptstadt der Schweiz) wiederum hat man kürzlich einen kreationistisch angehauchten Text für Volksschulen entdeckt, wie die NZZ berichtet. Zu einem Prozess wird es trotzdem nicht kommen – die inkriminierte Passage wird jetzt überarbeitet.

Den Kernpunkt der katholischen Messe bildet die Wandlung, in welcher der Priester Brot (welches hier mehr Ähnlichkeit mit Oblaten aufweist) und Wein in den Leib und das Blut des Erlösers Jesus Christus verwandelt. Gemäß der katholischen Lehre findet diese Wandlung nicht nur metaphorisch, sondern ontologisch statt, sprich: der Umstand, dass Leib und Blut wie Oblaten und Wein schmecken, ist Zufall. Das ändert jedoch nichts am Alkoholgehalt des Weines, der sich ganz real im Blut des jeweiligen Priesters niederschlägt. Wie der Spiegel berichtet, wird in Irland und Nordirland über eine Ausnahmeregelung für durch Messwein erheiterte Priester diskutiert, die für ihre Messen von Gemeinde zu Gemeinde pendeln müssen. Da der erlaubte Blutalkohol von 0.8 auf 0.5 Promille gesenkt werden soll, fürchten Priester, nach mehreren Messen nicht mehr legal Auto fahren zu dürfen.

Nicht alkoholischer Wein für rituelle Zwecke wird abgelehnt, da sich dieser offensichtlich nicht ‘wandeln’ läßt.

Ich bin Mitglied der Wiener Wirtschaftskammer. Mit meinem (Zwangs-) Mitgliedsbeitrag finanziere ich deren Service. Aber auch deren Angestellte. Und auch das WIFI (Wirtschaftsförderungsinstitut).

Das WIFI Wien bietet nun den Kurs “Ausbildung zum/zur Astrologen/-in” an. Wenn Sie das interessiert und Ihnen der Preis von 1.980,- EUR wohlfeil scheint, können sich online hier anmelden.

Absurd?

Nein: “Meine” Angestellte, Mag. Andrea Martinschitz, Institutsleiter-Stv. und Leiterin der Aus- und Weiterbildung am WIFI schreibt mir auf Anfrage folgendes: Den Rest des Beitrags lesen »

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