Steve Fuller ist Professor für „social epistemology“, einer Spielart der „science and technology studies“.

Die Aussagen dieses Themengebiets können so beschrieben werden:

Typical claims in the area include, e.g., that physical objects can’t cause us to have beliefs, only other people can. So, roughly, if you’re standing next to a tree, you can’t come to believe that there’s a tree there unless another person comes along and exerts social pressure on you to believe that there’s a tree there. Trees can’t cause beliefs about trees, but peer pressure can

 

Fuller erlangte 2005 zweifelhafte Bekanntheit, als er im Musterprozess gegen den Schulunterricht von Intelligent Design (ID) Kreationismus in Harrisburg, Pennsylvania als Zeuge der Verteidigung aussagte. Ein doch bekannter Wissenschaftssoziologe auf der Seite der ID-Kreationisten. Wie kann das sein?

Eine Kernthese der „science & technology studies“ ist, dass Veränderungen innerhalb der Wissenschaftslandschaft generell durch sozio-kulturelle Kräfte verursacht werden, und weniger durch experimentell erworbene Erkenntnisse und rationales Denken. Niemand bezweifelt, dass soziale Kräfte und der Zeitgeist wichtig sind, aber Neuerungen setzen experimentelle Daten als notwendigen Kern jeder Entdeckung voraus. Bahnbrechende Neuerungen und Paradigmenwechsel benötigen ihre Zeit, aber sie benötigen kein Lobbying von außen, um von der Wissenschaftswelt anerkannt zu werden (Beispiele dafür wären die Endosymbiontentheorie, Reverse Transkription oder Helicobacter pylori als Kanzerogen. Früher als unmöglich verschrien, sind diese Konzepte heute anerkanntes Wissen. Dazu sind keiner Fürsprecher aus der Soziologie erforderlich).

Fuller scheint der wissenschaftlichen Zunft in ihrer Einschätzung nicht sonderlich zu trauen, was nun ordentliche Wissenschaft sei, und was Unsinn. Er meint, ID benötige Hilfe, da sie es ein Verlierer im Machtkampf mit dem scientistische Establishment ist. Es geht Fuller nicht um die Frage, was die Aussagen, Theorien und Implikationen der beiden unterschiedlichen Standpunkte – Evolution vs. Intelligent Design – sind. Philosoraptor beschiebt es so:

Intelligent design theory is not considered bad science because it lost a power struggle in bio departments; rather, it lost out in bio departments because it’s bad science. It’s considered bad science because it is bad science; though sociologists like Fuller often come dangerously close to saying the reverse. If one could show that it lost out in bio departments solely or primarily because it lost a political battle, then that would be relevant. But you cant‘ show that. What with it being false and all.

Fuller ist ein klassisches Beispiel für die Konfusion, die entsteht, wenn jemand meint, er könne Wissenschaft kritisieren ohne sie zuvor zu verstehen. Seine andauernde Kooperation mit dem christlich-konservativen Discovery Institute, der wichtigsten Vertretung der Intelligent Design Bewegung, ruft allerdings selbst bei seinen Fachkollegen Befremdung aus.

Though Fuller also articulates a principled basis for his intervention (to oppose dubious pronouncements about science made by powerful advisory bodies enlisted by the plaintiffs), I would argue that he ignores what is stunningly obvious about the political alliance he joined. […] Fuller explains why he took the school board’s side in Kitzmiller, and while I have no reason to doubt his sincerity, his reasons seem narrowly cast and politically naive. Without suggesting that all of the leading proponents of ID are in league with fundamentalist Christians who are pressing a reactionary political agenda, it seems clear (to me at least, and apparently to Judge Jones as well) that a major source of support for the Dover initiative (and many similar initiatives throughout the USA) is an alliance between political activists and fundamentalist Christians.

Fuller Fachkollegen sehen sehr deutlich die gefährliche Koalition, die er hier eingeht. Um sich seinem Ziel zu nähern (nichts geringerem als der epistemischen Relativierung der Wissenschaft), unterstützt Fuller eine politische Strömung, die, falls sie jemals wieder Macht erlangen sollte, Personen wie Fuller mit Sicherheit nicht die Redefreiheit und Möglichkeiten der Kritik erlauben wird, die sie momentan haben. Fullers Kollegen haben schon erkannt, dass er an dem Ast sägt, auf dem sie alle sitzen.

 

Die anderen Teile der Serie:

Die unerträgliche Leichtigkeit des Erkennens, Part 1

Die unerträgliche Leichtigkeit des Erkennens, Part 2