Unsere Stammleser haben es schon bemerkt: An dieser Stelle wurde schon länger nicht mehr über die Wiener U-Bahn-Zeitung Heute hergezogen. Früher gab’s ja regelmäßig was zu meckern, etwa hier oder hier. Nicht dass Heute inzwischen weniger unterirdisch geworden wäre, aber inzwischen lese ich das Blatt eben nur mehr in Notfällen. Vor einer Woche hatte ich das Vergnügen wieder. Mein Blick war auf den Aufmacher gefallen und vor meinem geistigen Auge entspann sich ein Dialog, der sich in der Chefredaktion der Gratiszeitung so oder so ähnlich abgespielt haben musste:

„Leute, wir brauchen eine knackige Titelschlagzeile für morgen, aber flott! Also, wer hat Ideen?“

„Irgendwas mit Sex?“

„Sex, hmmm… klingt nicht schlecht. O.k., Sex nehmen wir rein. Aber… naja, vielleicht tun wir was mit „Liebe“ dazu, sonst klingts gar so nach Schmuddelblatt. Gut, also Liebe & Sex. Aber was noch? Das muss ja in einem Kontrax… ähh Kommtex…, also in einem Zusammenhang stehen!“

„Politik? Vielleicht: Skandal – Gusenbauer…“

„Geh, bitte…!“

„Keine Politik, ja, verstehe. Was leichteres. Hmm… Astrologie?“

„Astrologie, sehr gut! Sterne! Spitzenidee! Hatten eh schon seit Tagen keine neue Studie! Also, auf geht’s: Liebe, Sex, Sterne, irgendwas. Los, los!“

Wie auch immer, das Resultat prangte jedenfalls am 14. März auf dem Titel:

Liebe & Sex: Sonntag helfen uns die Sterne

Untertitel: Top-Astrologin: Totale Glückswarnung, Mars und Venus „perfekt“. Ja, und im Blattinneren dann Planet Venus küsst Mars: Die Erde im Liebestaumel. Exklusiv von der „Top-Astrologin“ Eva Vaskovich-Fidelsberger. Nun ja, hat die Leserzahlen sicher vorübergehende in die Höhe schnellen lassen. Geben Sie’s zu: Ohne den vielversprechenden Titel dieses Blogeintrags hätten Sie ja auch nicht bis hierher gelesen, oder? Den näheren Inhalt des Venus-Mars-Artikels erpare ich Ihnen. Nur soviel: Die Tibeter waren vom Liebes- und Glückstaumel an diesem Sonntag wohl ausgenommen.

Zu diesem Anlass passt übrigens eine hübsche Geschichte von la-mamma. Vor fast genau einem Jahr enthüllte sie das Geheimnis, wie die Redakteure von Heute zu ihren „Studien“ kommen. Ich verrate nichts – lesen Sie selbst!