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Seit Rolf Froböses quantenesoterisch angehauchtes Büchlein über die „geheime Physik des Zufalls“ auf dem Markt ist, findet der interessierte Websurfer zu diesem Werk gleichzeitig sowohl begeisterte Zustimmung wie auch heftige Ablehnung. In letztere Kategorie ist wohl unser Beitrag vom 19. April einzuordnen. Obwohl noch keine zwei Monate alt, ist dieser Beitrag heute der mit Abstand am öftesten abgerufene dieses Blogs. Hiermit beuge ich mich dem Quotendruck und greife dieses Thema nocheinmal auf. Sozusagen als Ergänzung zu unserem Posting vom April sollen hier sowohl die Vorgeschichte zu Froböses neuestem Buch als auch die Nachwehen, die der dahinter stehenden PR-Feldzug ausgelöst hat, etwas näher beleuchtet werden. Beides spielt sich zum Großteil im Internet ab, und ich verspreche: Wer sich für handgestricktes Guerilla-Marketing begeistern kann, der findet in der folgenden Chronologie sicher die eine oder andere Anregung.

Kapitel 1: Schauplatz Wikipedia – Angriff der 217er-Klonkrieger

Vor fast genau zwei Jahren, am 31. Mai 2006, macht sich ein Anonymus aus dem IP-Raum 217 über die Wikipedia her. Innerhalb kurzer Zeit versucht er etwa 14mal, Froböses eine Woche zuvor erschienene Buch „Fußball, Fashion, Flachbildschirme“ beim Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Flachbildschirm“ einzustellen. Jedesmal wird dies als Werbespam wieder gelöscht. Gleichzeitig versucht derselbe Anonymus, Froböses „Lust und Liebe“ Buch als Literaturtipp bei mindestens elf anderen Stichworten einzutragen. User Saibo beschwert sich über den Werbespam und verdächtigt dabei Froböse selbst.

Drei Tage später meldet sich aus dem IP-Raum 217 Rolf Froböse selbst zu Wort. Er klagt darüber, dass diverse links auf sein Buch „Lust und Liebe“, die er selbst gesetzt hatte, entfernt worden waren. Es gehe ihm nicht darum, gezielt Werbung … zu betreiben, er wolle dem interessierten User vielmehr über Portale wie Lifegen.de Auszüge kostenfrei zur Verfügung … stellen.

Weitere drei Tage später outet sich der eifrige Anonymus vom 31. Mai als „Dipl.-Ing. Bernd Haunthal“, angeblich Kunststoffingenieur aus Berlin. Haunthal ist allerdings vermutlich wieder nur ein Pseudonym – das deutsche Telefonbuch kennt keinen einzigen Haunthal. Herr Haunthal, der sich sehr höflich und gewählt ausdrückt, beschwert sich über die Löschungen seiner Buchtipps und empfiehlt einen Blick auf die positiven Amazon-Rezensionen. Am selben Tag wird von einem User Hansele eine Sperre von „Haunthals“ IP gefordert, was auch vorübergehend durchgeführt wird. Den Rest des Beitrags lesen »

Es gibt wahrscheinlich in ganz Österreich nur eine Handvoll Menschen, die wirklich wissen, wie es dazu kommen konnte, dass der Wasserbeleber Johann Grander 2001 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich verliehen bekam. Manche mögen es vielleicht als eine „hohe Kunst“ betrachten, unwirksame Voodoo-Technologie an mündige Bürger verscherbeln zu können, doch das Ehrenkreuz wurde laut Wissenschaftsministerium für anerkennenswerte Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft verliehen, nicht der Kunst.

Anerkennenswerte Leistungen?? Wissenschaft??? Faktum ist, das Herr Johann Grander überhaupt keine Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft erbracht hat, geschweige denn anerkennenswerte. Die Bauanleitung für sein Wasser stammt, wie Grander vor Gericht kundtat, „von oben“, und damit war nicht der Untermieter im Dachgeschoß gemeint. Seit die Grander-Vertriebsfirma mit ihrer Klage gegen Erich Eder mächtig eingefahren ist, gibt es ein Gerichtsurteil, demzufolge Grander-Technologie als aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug bezeichnet werden darf. Auch existieren zu diesem Thema inzwischen etliche wissenschaftliche Studien, in denen keine einzige der von der Grander-Firma behaupteten angeblichen Wirkungen des Wunderwassers jemals nachgewiesen werden konnte.

Schön, dann haben eben ein paar PR-Menschen vor sieben Jahren irgendwelche blauäugigen Beamten so schwurbelig geredet, dass die einen unseriösen halbkommerziellen Verein namens „Russische Akademie der Naturwissenschaften“, von dem Grander eine Medaille bekommen hatte, mit der altehrwürdigen „Russischen Akademie der Wissenschaften“ verwechselt haben. Das war ihnen dann Anlass genug, Grander das Ehrenkreuz der Republik zu verleihen und diese Republik Österreich damit in wissenschaftlichen Kreisen zum Gespött zu machen.

Ein bedauernswerter Fehler, leider nicht mehr zu ändern? Eben nicht. Genau für solche peinlichen Fehlverleihungen hat nämlich das Ehrenzeichengesetz mit dem § 8a vorgesorgt. Das Ehrenkreuz IST ABZUERKENNEN, sagt dieser, wenn später Tatsachen bekannt werden, die einer Verleihung entgegengestanden wären. Nun, diese Tatsachen sind inzwischen hinreichend bekannt, also worauf wartet das Wissenschaftsministerium noch?

Möglicherweise werden wir das bald erfahren, denn diese Frage wurde am 6. Juni von Vertretern von vier Parteien als parlamentarische Anfrage an Minister Hahn gerichtet. Darüber informierten wir, also die Gesellschaft für kritisches Denken, heute Mittag in einer Presseaussendung. Und jetzt warten wir gespannt auf die ministerielle Antwort.

Der folgende Aufsatz über den „Aberglauben Homöopathie“ ist ein Gastbeitrag von Dr. Theodor Much.

Wer fragt, ist ein Narr für fünf Minuten. Wer nicht fragt, bleibt ein Narr für immer (aus China)

Die Natur macht keine Sprünge (Aristoteles)

Jeden Abend ein bißchen Nichts ist eine ausgezeichnete Medizin (Michel Piccoli)

Alternativmedizin (und dazu zählt auch die „Homöopathie“) ist „in“ wie nie zuvor und gleichzeitig ein äußerst lukratives Geschäft.

Ohne auf die vielen bereits bekannten wissenschaftlichen Kontrollstudien einzugehen, die eindeutig zeigen, daß Homöopathie nur Placebo ist (siehe auch: „Der veräppelte Patient: Alternativmedizin zwischen (Aber-) Glauben und Wissenschaft“, Edition va bene 2003 und „Aberglaube und Astrologie: Was taugen Horoskope?“, Edition va bene 2007) will ich an Hand von logischen Überlegungen und Schlußfolgerungen zeigen, daß Homöopathie gleich Aberglaube ist.

Die (auch heute noch gültigen) Grundannahmen der Homöopathie lauten:

1. Das Prinzip „similia similibus curentur“ wurde durch das berühmte Chinarindenexperiment von Hahnemann begründet.

2. Die wichtigste Voraussetzung zur erfolgreichen homöopathischen Behandlung (zit.: Homöopathisches Repetitorium der Deutschen Homöopathischen Union) bleibt die konsequente Anwendung der homöopathischen Arzneimittellehre nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Die klassische Vorgangsweise lautet: Feststellung des Konstitutionstyps (Konstitutionstypen in Analogie zur antiken 4-Säftelehre), Beurteilung der Art und Lokalisation des Symptoms (z. B. Schmerz), Fragen nach Modalitäten (verschlimmernde und bessernde Einflüsse, z. B. Kälte), Bestimmung des Leitsymptom (z. B. Furcht, brennende Charakter und Periodizität aller Beschwerden) und Feststellung der Anfälligkeiten (z. B. Migräne, Regelstörungen).

3. Auf diese strenge und genaue Vorgangsweise („Arzneifindung durch Anamnese“) sind die Homöopathen stolz, sie betonen auch mit dieser Argumentation ihre Überlegenheit über die sog. Schulmedizin (ein Schimpfwort, das auf den Homöopathen Franz Fischer – 1876 – zurückgeht). Den Rest des Beitrags lesen »

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