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Und wenn wir schon beim Rutengehen sind: Die ASFINAG tut es auch, oder besser: Sie lässt es tun. Diese Geschichte ist etwas zu lang für einen Blog, deswegen finden Sie sie auch nicht hier sondern im Standard. Eine Langfassung mit einigen weiteren obskuren Beispielen gibt’s dann im nächsten Skeptiker.

UPDATE: … nämlich hier.

Von einem kuriosen Modellversuch berichtet heute die Mittelbayerische Zeitung: Ein Rutengängerkurs für Blinde. Auch blinde Menschen sollen dort lernen können, wie man Erdstrahlen aufspürt, die auf Wasseradern hindeuten. Warum das kurios ist, kann man erst nach einer kurzen Rekapitulation der Fakten wirklich würdigen. Die da wären:

1. Wasseradern gibt es nicht, außer in manchen Karstgebieten. Grundwasser fließt flächig. Das Gerede von unterirdischen Kanälen, in denen das Wasser dahinströmt wie Blut in einer Ader, ist ein Gerücht, das sich auch unter gebildeten Menschen hartnäckig hält.

2. Die Existenz von Erdstrahlen ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Deutlicher ausgedrückt, in den Worten des Geophysikers Prof. Erhard Wielandt von der Uni Stuttgart: Die Störzonen, in denen Erdstrahlen entstehen, befinden sich nicht in der Erde, sondern im Kopf. Zwar gibt es eine Menge Strahlen, die aus der Erde kommen, etwa in Form von Wärme oder natürlicher Bodenradioaktivität, aber diese meinen die Rutengänger ja nicht. Deren Erdstrahlen sind technisch nicht messbar, sie sind “feinstofflich”. (Was auf gut deutsch soviel heißt wie: Sie sind Quatsch.) Den Rest des Beitrags lesen »

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Auf der heutigen Titelseite der Gratiszeitung Heute prangt fett die Schlagzeile

Neuropsychologe erwähnt in Vortrag zwei Jahre alte Studie, die negative Auswirkungen von TV-Konsum auf Lernerfolg nahelegt.

Nein, Verzeihung, tut sie natürlich nicht. Das ist nur die Schlagzeile, die dort hätte prangen müssen, wenn Heute mit der Wahrheit einen etwas weniger schlampigen Umgang pflegen würde. Tatsächlich lautet die Schlagzeile nämlich

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Dass man beim Wort “Studie” in einer Heute-Schlagzeile aufpassen muss, wissen treue Stammleser dieses Blogs seit mindestens zwei Monaten. Im Blattinneren geht es ins Detail: Fernsehen macht Teenager dumm! Und im Untertitel heißt es:

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Wenn David Lynch, Filmemacher mit Neigung zum Surrealen, in Wien zu Gast ist, dann hängen die Fans und die Medien an seinen Lippen. Deshalb macht er hier wie auf allen anderen Stationen seiner Europareise ungeniert Werbung für einen der peinlichsten Psychokulte, die Transzendentale Meditation (TM) der Maharishi-Jünger. Nun ist ja gegen Meditation an sich nichts einzuwenden, aber die TM ist eine ganz eigene Spielart. Ihre Anhänger, die hierzulande immer wieder mal als rührige Österreichische Naturgesetze Partei (ÖNP) bei Wahlen antreten, behaupten etwa, durch das gemeinsame Meditieren einer genügend großen Zahl von Menschen (für Österreich ca. 300) würden diese so eine Art “positive Bewusstseinswelle” erzeugen, die über das Land schwappt und dort für höheres Wirtschaftswachstum, geringere Kriminalitätsraten und besseres Fernsehprogramm sorgt.

Wer stundenlanges Meditieren zu langweilig findet, der kann bei den TMern auch das “Yogische Fliegen”, also die Levitation durch Geisteskraft lernen. Als Beweis für letzteres dienen lustige Videos, auf denen man erwachsene Menschen im Yogasitz durch die Gegend hüpfen sehen kann.

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Allerdings ist die Gefahr auch eher gering. Die Kleinstadt Dover in Pennsylvania, USA , wurde durch jenen Prozess berühmt, in dem Richter John E. Jones III dem lokalen School Board, das Kreationismus in Form von “Intelligent Design” durch die Hintertüre in den Biologieunterricht schmuggeln wollte, wörtlich breathtaking inanity (atemberaubende Dummheit) beschied.  In Bern (so etwas ähnliches wie die Hauptstadt der Schweiz) wiederum hat man kürzlich einen kreationistisch angehauchten Text für Volksschulen entdeckt, wie die NZZ berichtet. Zu einem Prozess wird es trotzdem nicht kommen – die inkriminierte Passage wird jetzt überarbeitet.

Wenn uns die Wissenschaftsredaktion ORF ON Science zu Allerseelen darauf hinweist, dass Grübeln nicht immer zur richtigen Lösung führt, dann hat sie damit sicher Recht. Jeder ist schließlich schon mal an einem verzwickten Sudoku gescheitert. Aber das ist gar nicht gemeint. Es geht darum, dass in komplizierten Entscheidungsproblemen der Verstand oft zu schlechteren Ergebnissen führt als die Intuition. Jaja, das wissen wir schon. Schließlich haben wir Malcolm Gladwells Blink! und Gerd Gigerenzers Bauchentscheidungen gelesen, oder … ähm … zumindest ein paar Rezensionen dieser Bücher.

Jetzt gibt es aber laut ORF ON “news” dazu, und die haben sie von der APA. Die APA weiß über die Neuigkeiten zur Intuitionsforschung, dass der Psychologe Ap Dijsterhuis in der Zeitschrift Gehirn & Geist davon berichtet. Wenn nun also ORF ON darüber berichtet, dass die APA berichtet, dass ein Amsterdamer Psychologe in einer deutschsprachigen populärwissenschaftlichen Zeitschrift etwas zur Intuitionsforschung berichtet, dann klingt das erstens verdächtig und zweitens sehr nach Stille Post. Den Rest des Beitrags lesen »

Joachim Bublath, promovierter Physiker und Wissenschaftsjournalist beim ZDF, hat es dieser Tage wirklich nicht leicht. Vor wenigen Wochen – wir berichteten – wurde er von einem wütenden Mob von Homöopathen mit Spam-mails überschwemmt. Und jetzt, genauer gesagt gestern Nacht auf ARD bei Maischberger, musste er sich Nina Hagens wirres Gestammel über UFOs und Aliens anhören. Ganze 50 Minuten hielt er lächelnd und leidend durch, dann verabschiedete er sich vorzeitig aus dem Studio. Ganz so wie kürzlich Eva Herman, nur eben freiwillig. Heute Morgen sind die online-Nachrichten voll mit der Story. Eine – naja – Sternchenstunde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie haben es versäumt? Wiederholung Samstag, 3.11.2007, 23:30 auf 3sat! Außerdem gibt es ja YouTube…

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Gleich vorweg: Inge Morath kann nichts dafür. Wie hier und hier nachzulesen ist, wurde am Freitag in Graz der Inge Morath-Preis für Wissenschaftspublizistik verliehen. In der Kategorie “elektronische Medien” ging der Preis an die Rubrik “Wissen” auf steiermark.ORF.at. Die funktioniert so:

Zusammen mit Journalismus-Studenten der FH Joanneum in Graz werden Forschungsthemen aus den steirischen Universitäten einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht. Dadurch soll in der Öffentlichkeit das Interesse und die Akzeptanz für Wissenschaft und Forschung geweckt und vertieft werden.

Im sciblog wurde dieses Konzept bereits kritisiert. Zu Recht. Wie die auf der preisgekrönten Seite verlinkte Story Gesundheit ist messbar zeigt, soll neben der Akzeptanz von Wissenschaft mitunter wohl auch die von steirischer Voodoo-Science vertieft werden – und davon gibt es wahrlich schon genug. Den Rest des Beitrags lesen »

Nein, unser Heinz Oberhummer ist kein Geister-Jäger. Aber die folgenden zwei Hinweise, die ich wieder einmal dem sciblog entnehme, sind vielleicht von Interesse:

Geister-Jäger heißt die deutsche Fassung eines Buchs der Wissenschaftsjournalistin und Pulitzer-Preisträgerin Deborah Blum, in dem ein weniger bekanntes Kapitel der Parapsychologiegeschichte recht umfassend aufgearbeitet wird. Da ich es noch nicht gelesen habe, mehr dazu vorläufig hier.

Und ein Interview (das habe ich gelesen!) mit dem Atomphysiker, Kabarettisten und Skeptiker Heinz Oberhummer, der es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht hat, gab es am Montag in der Süddeutschen.

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