Wilhelm Mohorn ist ja hierzulande eigentlich deshalb bekannt, weil er das sogenannte Aquapol-Gerät erfunden hat, dessen „Wirkprinzip“ nach einem Nobelpreis schreit. Das Ding sieht aus wie ein postmoderner Kronleuchter, allerdings besitzt es keinen Stromanschluss und leuchtet auch nicht. Dafür trocknet es feuchte Mauern, meint Mohorn, und das bestätigt natürlich auch sein Haus-und-Hof-Pseudowissenschaftler.

Aber bevor wir uns jetzt in die Untiefen des Themas Voodoo-Technik made in Austria stürzen, machen wir einen abrupten Schwenk und wundern uns darüber, dass laut dieser Presseaussendung Mohorn sich jetzt plötzlich für die Menschenrechte stark macht. Und damit meint er nicht etwa das Recht, von lästigen Nörglern und Kritikern in Ruhe gelassen zu werden. Nein, in seinem Reichenauer Waldschlössl veranstaltete Mohorn eine echte Benefizgala, in deren Mittelpunkt die Organisation Jugend für Menschenrechte stand.

Laut einem Interview auf seiner Webseite ist Mohorn besonders das Menschenrecht Nr. 29, „das Recht zu wissen“ ein Anliegen. Ein solches existiert zwar nicht, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Was könnte Mohorn damit genau gemeint haben? Wir werden aufgeklärt:

Seitdem ich mich mit der Radiästhesie (Lehre der Strahlenempfindung) beschäftigte, wurde mir immer mehr bewußt, daß der Menschheit wertvolles Wissen scheinbar absichtlich vorenthalten wird. Sogenannte „Kritiker“ ignorierten ständig zahlreiche Untersuchungen wie z.B. die von Freiherr von Pohl/Vilsviburg, Käthe Bachler/Salzburg, die eindeutig nachwiesen, daß die sogenannten „Erdstrahlen“ krank machen können aber zumindest den Gesundheitszustand verschlechtern.

Jaja, es stimmt schon, dass die Qualität jener „Studien“, die nachweisen, dass Erdstrahlen krank machen, etwa dieselbe ist wie die jener Studien, die dem Aquapol-Gerät seine Wirksamkeit bescheinigen. Aber das kann doch noch nicht alles gewesen sein, oder? Nein, denn über die „Raumenergie“ befragt, sagt Mohorn im selben Interview:

Albert Einstein hat 1913 diese natürliche Energieform (damals Äther genannt) mit der Einführung seiner Relativitätstheorie einfach abgeschaffen (sic!). 1920 revidierte er seinen verherenden (sic!) Irrtum, jedoch die wissenschaftliche Gemeinde unterschlug bis heute diese so wichtige Richtigstellung. Die Jugend hat das Recht auf umfassende ordentliche Ausbildung, damit sie effizient die Zukunft kreieren und Umweltprobleme besser lösen kann.

Diese Stellungnahme zeigt immerhin, dass Herrn Mohorn auch das Menschenrecht Nr. 78 wichtig ist, das Recht auf kreative Rechtschreibung, besonders aber das Menschenrecht Nr. 114, das Recht auf abstruse Verschwörungsphantasien.

Der weitere Verlauf des Interviews ist nicht besonders erhellend, was Mohorns Engagement für Jugend für Menschenrechte betrifft. Viel erhellender ist da schon eine Webseite des bekannten Scientology-Kritikers Ingo Heinemann, die mit der Überschrift beginnt,

„Jugend für Menschenrechte“ ist eine neue Scientology-Tarnorganisation

Das erklärt doch schon viel mehr, vor allem wenn man weiß, dass Mohorn Scientology deutlich näher steht als Science. Vermutlich deswegen zitiert der „Naturforscher“ auch seit ein paar Jahren bei jeder Gelegenheit den Scientology-Jesus und verurteilten Betrüger L. Ron Hubbard. Aber zumindest seiner Frau Caroline Mohorn, der Präsidentin der Scientology Mission Wien, macht er damit sicher eine große Freude.

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